An der Wand
„Es ist dasselbe Bild, aber doch so viel anders“
Die ersten Erfahrungen mit Fotografie machen vermutlich die meisten bereits in ihrer Kindheit. Man wird ordentlich angezogen, die Haare gekämmt, zur Not mit Spucke und schon steht da ein fremder Mensch mit einem Fotoapparat. Es ist Zeit für ein Foto im Kindergarten, Schule oder ein Familienportrait. Da waren wir alle Mal da. Zumindest war es bei mir so.
Das Bild wurde irgendwann entwickelt und kam in ein Familienalbum, wo es für alle Ewigkeit, durch eine Plastikfolie geschützt, mit allen anderen Erinnerungen aufbewahrt und manchmal zu besonderen Anlässen oder einfach nur so herausgeholt wurde.
Seitdem hat sich einiges geändert. Die Bilder haben ihr altes Zuhause, das Fotoalbum, verlassen und sind in moderne Speichersysteme unserer Smartphones und Rechner gezogen. Seine Erinnerungen und Kunstwerke überall bei sich zu haben, ist zur Realität geworden. Dennoch ist da ein gewisses Gefühl verlieben.
Vielleicht ist dieses Gefühl der Grund dafür, warum ich mich entschieden habe, meine Fotografien aus dem digitalen Raum wieder zurück in das echte Leben zu holen. Die Bilder liegen auf den Festplatten, werden digital bearbeitet, durch kleine Monitore begutachtet und durch die ganze Welt verschickt. Sie sind schnell zugänglich und es entsteht der Eindruck, dass Fotografie insgesamt eine schnelle und einfache Angelegenheit geworden ist. Ein Bild jagt das nächste. Jedes Bild scheint austauschbar und damit wertlos zu sein und gerät schließlich in Vergessenheit.
Dabei ist Fotografie ein Handwerk, das auf Ruhe, Konzentration und Präzision setzt, sowohl beim Aufnehmen als auch beim Bearbeiten. Sie verdient deshalb entsprechend präsentiert zu werden.
Auch ein Familienfoto, ein Portrait oder ein Urlaubsbild sollte daher gedruckt und eventuell gerahmt und aufgehängt werden. Die Bilder werden echter, greifbarer und vor allem lebendiger. Nicht nur das Bild selbst, sondern auch der gesamte Prozess von der digitalen Datei zum fertigen Bild, wird zu einer Erinnerung, zu einem eigenen Kunstwerk.
So entschied ich mich selbst, nachdem ich angefangen hatte, meine Fotografien zunächst in kleinem Format zu drucken, meinen ersten Fine Art Print in Auftrag zu geben. Und nun hängt eben dieses eine Bild bei mir zu Hause an der Wand und wird zu meiner Erinnerung, dass jedes Bild anders sein kann.
August 2026
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